Aufbau der Gebäudedatenbank und Baualtersklassen für Gebäude

Es wurden charakteristische Gebäudetypen festgelegt und jedes Gebäude einem dieser Typen zugeordnet. Gebäudetypen sind definiert durch die Gebäudeart und die Baualtersklasse. Ziel ist die Bestimmung des spezifischen Wärmebedarfs der repräsentativen Gebäudetypen, sodass es möglich ist, aus der Summe aller Gebäude den Wärmebedarf des Versorgungsobjekts zu berechnen.

Nach Art des Gebäudes wird unterschieden in:

  • Ein-/Zweifamilienhäuser (EFH), gekennzeichnet durch eine oder zwei Hauptwohnungen fallweise auch ergänzt um eine Einliegerwohnung.
  • Reihenhäuser (RH), die im Allgemeinen nur jeweils eine Wohnung aufweisen. Auf Grund von Unterschiede beim Wärmebedarf, erfolgte hierbei noch eine Unterteilung in Reiheneck- und Reihenmittelhäuser (REH und RMH).
  • Kleine Mehrfamilienhäuser, mit drei bis zehn Wohneinheiten. Da vor allem während der 50er und 60er Jahre auch diese Gebäudeart aneinander gereiht ausgeführt wurde, erfolgte auch in diesem Fall eine Unterteilung in einerseits freistehende Mehrfamilienhäuser (KMH), Mehrfamilieneck- und Mehrfamilienmittelhäuser (KMEH und KMMH).
  • Große Mehrfamilienhäuser (GMH) mit mehr als 10 Wohneinheiten und ab fünf Vollgeschossen.
  • Hochhaus (HH) mit mehr als 30 Wohneinheiten und ab 10 Vollgeschossen.

Da beim Bau der Gebäude je nach Baualter verschiedene Materialien Verwendung fanden und deshalb der wärmetechnische Zustand verschieden ist, ist es wichtig, sog. Baualtersklassen einzuführen, von denen jede durch eine überwiegend einheitliche Bauweise gekennzeichnet ist. Auf Grund der bisherigen Entwicklung im Wohnungsbau, bieten sich acht verschiedene Baualtersklasssen für jede Gebäudeart an:

Baualtersklasse A (bis 1918)

Fachwerkbauten, wobei die Ausfachung aus Lehm, Stroh, Steinen oder Ziegel bestand. Daneben war die Bauweise mit massiven Backsteinwänden ebenfalls verbreitet.

Baualtersklasse B (1919 - 1948)

Bis ca. 1932 baute man oft noch mit Fachwerk und Ziegelausriegelung sowie Ziegelmauerwerk. Dann verschwanden die Fachwerkhäuser und es wurde vorwiegend Ziegel in massiver Form verwendet. Ab ca. 1938 wurden bereits auch Hohlblocksteine mit Splitt, Schlacke und minderwertigem Bims eingesetzt.

Baualtersklasse C (1949 - 1957)

Die Gebäude nach dem 2. Weltkrieg wurden sehr einfach und mit qualitativ minderwertigerem Material zunächst mit Hohlblocksteinen aus Bauschutt, Ziegelsplitt, Kies aber auch mit Bims errichtet, wobei die Bauherren die Steine oft in Handarbeit selbst herstellten. Ab ca. 1953 standen bereits Hohlblocksteine mit höherwertigerem Bims und Hochlochziegel zur Verfügung. Im Vordergrund stand die Schaffung von Wohnraum, auf Wärmedämmung legte man keinen Wert.

Baualtersklasse D (1958 - 1968)

Diese Zeit ist geprägt von intensiver Bautätigkeit. Die Gemeinden wuchsen sehr stark und es wurden vermehrt neue Wohngebiete erschlossen. Die Baumaterialien waren vor allem Bimshohlblocksteine und Hochlochziegel, wobei letztere besonders für die Innenwände verwendet wurden.

Baualtersklasse E (1969 - 1978)

Infolge der Ölkrise entstand in dieser Zeit ein zunehmendes Bewusstsein für die Notwendigkeit, die immer knapper werdenden Energieressourcen zu schonen. Dies machte sich auch bei den Baumaterialien bemerkbar, indem die Industrie neben wärmetechnisch verbesserten Bimshohlblocksteinen bereits porosierte Ziegelsteine (Leichthochlochziegel) anbot.

Baualtersklasse F (1979 - 1983)

1977 trat die 1. Wärmeschutzverordnung (1. WSVO) in Kraft, sodass bei allen ab 1. Januar 1979 neu errichteten Gebäuden eine entsprechende Isolierung der Wärmehülle vorgeschrieben wurde. Es entstanden verbesserte Leichthochlochziegel (Unipor, Poroton). Dieser Trend setzt sich bis heute weiter fort.

Baualtersklasse G (1984 - 1994)

Die 1.WSVO wurde 1982 durch die verschärfte 2. WSVO abgelöst, was eine weitere Verbesserung für den Wärmeschutz bewirkte.

Baualtersklasse H (ab 1995 bis 2001)

Es gilt die 3. Wärmeschutzverordnung, wodurch weitere Einsparungen des Raumwärmebedarfs vorgeschrieben sind. Gebäude benötigen vor der Errichtung einen rechnerischen Wärmeschutznachweis.

 

Baualtersklasse H (ab 2001 bis 2009)

EnEV 2001/2002

Baualterklasse

 

Gebäudenamen in der Datenbank

 

Abbildung 0.I: Übersicht über die Gebäudearten

 



Baualtersklassen

Bauart

Ein-/Zweifamilienhäuser

Kleine Mehrfamilienhäuser

Reihenhäuser

Große Mehrfamilienhäuser

EFH

KMH

RH

GMH oder HH

A

Vor 1918

 

 

B

1919-

1948

Einfamilienhaus

 

C

1949-

1957

D

1958-

1968

E

1969-1978

F

1979-

1983

G

1984-

1994

H

ab

1995

 

Spezifischer Wärmebedarf

Für jede Gebäudeart wurde der spezifische Wärmebedarf ermittelt. Daher wurden im Mittel vier bis fünf passende Musterhäuser pro Gebäudeart und Altersklasse ausgewählt und hieraus der mittlere Raumwärmebedarf berechnet.

Hierzu wurden zunächst nach Empfehlungen von Mitarbeitern des Baurechtsamtes in einer Ortsbegehung ca. 200 Häuser nach dem äußeren Eindruck vorausgewählt und fotografiert. Die genaue Festlegung der Baualtersklassen erfolgte mit Hilfe der Bauakten. Dann wurden 105 “Musterhäuser“ endgültig ausgewählt.

Um den Raumwärmebedarf berechnen zu können, war als erster Schritt die Bestimmung der geometrischen Daten der Wärmehülle der einzelnen Gebäude erforderlich. Die entsprechenden Abmessungen wurden den Bauakten entnommen. Als beheizte Fläche wurde die Wohnfläche nach den DIN-Normen ohne Balkon- und Freiflächen angenommen. War die Wohnfläche nicht in den Bauakten enthalten, wurde sie näherungsweise berechnet. Die angenommene Bewohnerzahl von 2,2 Personen pro Wohneinheit orientierte sich an den statistischen Durchschnittswerten.

Die in den einzelnen Baualtersklassen typischen Aufbauten der Außenwände, Dachflächen und Grundflächen wurden nach Gesprächen mit verschiedenen Architekten und Baufachleuten sowie nach Recherchen in der Literatur festgelegt. Zur Erhöhung der Genauigkeit wurden für die Außenwände der Altersklassen A bis E jeweils zwei verschiedene Wandaufbauten berücksichtigt, z.B. für Baualtersklasse A Fachwerk- und Ziegelmauerwerk. Die dafür notwendigen wärmetechnischen Daten für die Materialien entstammen weitgehend DIN 4108. Die k-Werte der Baumaterialien liegen in der Regel unter den maximal zulässigen Grenzwerten der DIN-Normen. Für die Baualtersklassen G und H wurden daher die Herstellerdaten für die Rechnungen zu Grunde gelegt.

Da es nicht möglich war, bei einzelnen Häusern nachträglich durchgeführte genehmigungsfreie Sanierungsmaßnahmen und Dachausbauten zu berücksichtigen, beziehen sich die berechneten Werte auf den sog. Urzustand wie in den Bauakten angegeben.

Sanierungsmaßnahmen

Der Vorteil eines Simulationsprogramms liegt in der Möglichkeit einzelne Sanierungsmaßnahmen zu berechnen und die Energieeinsparungen zu bestimmen.

Es wurden für die Berechnung der Einsparmöglichkeiten des Raumwärmebedarfs der einzelnen Musterhäuser durch eine umfassende Dämmung folgende Dämmaßnahmen zu Grunde gelegt:

Dämmung mit einem Material der WLG 40 (Wärmeleitfähigkeit = 0,04W/mK) und der angegebenen Dicke

  • von 12 cm bei der Außenwand
  • von 6 cm bei der Kellerdecke bzw. dem Boden gegen Erdreich
  • von 6 cm bei einem Flachdach
  • von insgesamt 18 cm bei Schrägdächern (einschließlich vorhandene Dämmung)
  • von 10 cm bei der obersten Geschossdecke zum nicht ausgebauten Dachgeschoss

Für die sanierten Fenster wurde Wärmeschutzverglasung vorgesehen mit einem k-Wert von 1,3 W/m²K.

Für die Baualtersklasse H (ab 1995), die bereits unter die 3.WSVO fällt, sind keine zusätzlichen Sanierungsmaßnahmen vorgesehen. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass die Realisierung eines geringeren Nutzwärmebedarfs als nach 3. WSVO vorgeschrieben, sinnvoller durch eine von vornherein darauf ausgelegte Gebäudeplanung und -konstruktion erfolgt (z.B. Niedrigenergiebauweise), als ein nach 3. WSVO gebautes Haus nachträglich zu dämmen. Zudem weisen die Fenster dieser Häuser im Allgemeinen schon einen k-Wert von 1,3 auf und die Dämmung der Dachschrägen ist überwiegend bereits auf eine Stärke von 18 cm ausgelegt.

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